Dez 302012
 

Kinder zweisprachig erziehen

 

keymail – Jeder Briefkasten wird zum Fundbüro

In diesem Artikel sollen verschiedene Aspekte einer zwei- oder auch mehrsprachigen Erziehung dargestellt werden. Sicherlich ist für Eltern und Pädagogen der eine oder andere gute Tip dabei, wie Kinder erfolgreich mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen können.

Zunächst einige Überlegungen, weshalb sich gerade in den letzten Jahren bei vielen Eltern ein derartig großes Interesse an der Zweisprachigkeit entwickelt hat.

 

Warum mehrsprachige Erziehung ?

gelten, die beide Sprachen auf einem hohen Niveau beherrschen. Wird eine oder werden gar beide Sprachen nur auf einem mittleren oder niedrigen Niveau verstanden und gesprochen, so können diese Kinder auch im Nachteil gegenüber einsprachig aufgewachsenen Kindern sein.

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Es ist sprachwissenschaftlich unumstritten, dass kleine Kinder zwei (oder sogar mehr) Sprachen gleichwertig bis zu einem hohen (muttersprachlichen) Niveau erlernen können.

Gleichzeitig sind jene zweisprachig erzogenen Kinder, die beide Sprachen hervorragend
beherrschen, gegenüber einsprachig aufgewachsenen Gleichaltrigen klar im Vorteil: Hinsichtlich ihrer Intelligenzstruktur, ihrer sozialen und kognitiven Fähigkeiten sowie ihren Voraussetzungen, in späteren Lebensphasen noch weitere Sprachen zu erlernen. – In all diesen Bereichen schneiden mehrsprachige Kinder in Studien im Vergleich zu einsprachig erzogenen Kindern besser ab
.

Zu beachten ist jedoch dabei, dass diese Vorteile nur für solche Kinder

nn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihre Kinder zweisprachig zu erziehen, sollten Sie also von Vornherein darauf achten, dass beide Sprachen nicht nur häppchenweise, sondern korrekt und umfassend gelernt werden – ohne dabei natürlich Ihre Kinder unnötig unter Druck zu setzen.

Bei vielen Eltern gewinnt das Interesse an einer zwei- oder mehrsprachigen Kindererziehung gerade deshalb an Bedeutung, weil sie ihre Kinder besser auf die sich schnell wandelnde Welt vorbereiten möchten. Schließlich werden in vielen Lebensbereichen nationalstaatliche Grenzen immer unbedeutender und die internationale Mobilität wächst beständig, wodurch vielfältige und
tiefgreifende Sprachkenntnisse immer wichtiger werden
.

Den Kindern soll also mit einer mehrsprachigen Erziehung die Fähigkeit mit auf den Weg gegeben werden, sich in einer sich schnell wandelnden Welt einfacher zurecht zu finden und mit mehr Menschen kommunizieren zu können.


Die Gründe, Kinder zwei- oder mehrsprachig zu erziehen, sind aber auch in demographischen Ursachen zu finden.

 

Deutschland – Heimat unterschiedlicher Sprachen

Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch ihre eigene Muttersprache erlernen. Schließlich leben viele Menschen in der Bundesrepublik, die eine andere Muttersprache sprechen und diese Sprache auch gerne ihren Nachkommen mit auf den Weg geben möchten.

Zweisprachige Erziehung, aber auch das Interesse einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung damit, sind heute aktueller denn je – wie Ihnen folgende Entwicklungen der undesrepublikanischen Bevölkerungsstruktur verdeutlichen sollen:
 

  • Rund ein Fünftel der deutschen Wohnbevölkerung weist einen sogenannten
    Migrationshintergrund auf. Als Menschen mit Migrationshintergrund werden vom
    Statistischen Bundesamt all jene, in Deutschland lebenden Personen gezählt, die seit der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 eingewandert sind sowie deren Nachkommen. Die Mehrheit dieser rund 15 Millionen Menschen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit, viele von ihnen sprechen aber neben der deutschen oft auch noch eine andere (Mutter)Sprache.
  • Bei Kindern unter fünf Jahren ist die Zahl derer, die als Kinder mit einem
    Migrationshintergrund gelten, sogar noch höher als beim Rest der Bevölkerung: Rund ein Drittel von ihnen hat zumindest einen Elternteil mit „nichtdeutscher“ Abstammung. In den meisten westdeutschen Großstädten liegen diese Zahlen meist sogar noch höher.
  •  Etwa 10 % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sprechen darüber hinaus eine andere Sprache als Deutsch als ihre Erstsprache.
     

Anhand dieser Zahlen ist ersichtlich, dass eine zwei- oder mehrsprachige Erziehung sicherlich nicht die Ausnahme, sondern eine normale Erscheinung in einer pluralistischen Gesellschaft darstellt.

 

Wege zur Zweisprachigkeit im Kindesalter

Mit diesem Artikel möchten wir Ihnen nun einige Grundbegriffe vorstellen, die für die Thematik der zweisprachigen Kindererziehung zentral sind. Mit Zweisprachigkeit soll in diesem Zusammenhang gemeint sein, dass ein Mensch sich problemlos in zwei unterschiedlichen Sprachen mündlich (und möglichst auch schriftlich) ausdrücken kann. Einfache Fremdsprachenkenntnisse genügen diesen Ansprüchen nicht.


Simultane oder sukzessive Zweisprachigkeit

Der Begriff der simultanen Zweisprachigkeit meint, dass ein Kleinkind von Geburt an zwei Sprachen gleichzeitig erlernt. Das Kind lernt dabei im Laufe der Zeit automatisch zwischen den beiden Sprachsystemen zu unterscheiden und wird so zwei Erstsprachen (also zwei „Muttersprachen“) erwerben.

Von einer sukzessiven Zweisprachigkeit spricht man hingegen, wenn eine der beiden Sprachen erst erworben wird, wenn die andere bereits zu großen Teilen verinnerlicht wurde. Sukzessiver Spracherwerb erfolgt ab einem Alter von etwa drei Jahren.
 

Natürliche oder kulturelle Zweisprachigkeit

Während man von einer natürlichen Zweisprachigkeit spricht, wenn das Kind beide Sprachen im alltäglichen Umgang mit muttersprachlichen Menschen in einer natürlichen Umgebung erlernt, verwendet man den Begriff der kulturellen Zweisprachigkeit, wenn der Spracherwerb in einer mehr oder weniger formellen (Unterrichts-) Situation geschieht.

Additive oder subtraktive Zweisprachigkeit

Unter dem Begriff der additiven Zweisprachigkeit versteht man, dass sich der Erwerb der zweiten Sprache positiv auf das gesamte Sprachverständnis auswirkt. Diese positive Beeinflussung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die andere Sprache, sondern wirkt sich auch förderlich auf die Intelligenz und die sozialen Fähigkeiten des Kindes aus.

Die Kehrseite einer zweisprachigen Erziehung kann eine sogenannte subtraktive Zweisprachigkeit sein: Hier wirken sich beide Sprachen negativ aufeinander aus und die Kinder sind in ihrer Gesamtentwicklung verzögert. Im schlechtesten Fall kann es hierbei zu einer doppelten „Halbsprachigkeit“ kommen, bei der keine der beiden Sprachen vollständig und korrekt erlernt wird.

Zu einer solchen subtraktiven Zweisprachigkeit kann es kommen, wenn keine der Sprachen korrekt und zeitintensiv an das Kind weitergegeben wird oder etwa eine der Sprachen von der Umgebung des Kindes, beispielsweise im Kindergarten, abgelehnt und als „minderwertig“ angesehen wird.

Es soll aber später aufgezeigt werden, wie Sie subtraktive Effekte vermeiden können und Ihrem Kind zwei Sprachen mit auf seinen Lebensweg geben können, die positive Effekte hervorrufen und negative vermeiden helfen.

 

Zweisprachigkeit im Elternhaus

 

1. Jeder Elternteil spricht in seiner Sprache mit dem Kind

Beide Elternteile sprechen von Geburt des Kindes an ausschließlich in ihrer eigenen Sprache mit dem Kind. Die Umgebungssprache (also meist die Landessprache) entspricht in diesem Beispiel der Sprache eines Elternteils.

Erstsprache der Mutter: Deutsch         spricht mit dem Kind: Deutsch
Erstsprache des Vaters: Französisch     spricht mit dem Kind: Französisch
Sprache der UmgebungDeutsch

 Bereits im Jahre 1913 wurde das hier angewandte Prinzip „une personne, une langue“ (eine Person, eine Sprache) in der Literatur erwähnt und nach der untersuchten Familie, der Familie Ronjat, benannt. In liguistischer Fachliteratur finden Sie diese Situation also unter dem Begriff „Prinzip von Ronjat“.

Bis heute gilt diese Herangehensweise, sein Kind zweisprachig zu erziehen, als besonders erfolgversprechend. Dennoch gibt es auch andere Konstellationen, nach denen eine zwei- oder gar mehrsprachige Erziehung erfolgreich gelingen kann.


2. Beide Eltern sprechen in einer anderen Sprache als die Umgebung
  

Die folgende Konstellation ist zunächst dieselbe, wie die zuvor beschriebene: Beide Elternteile sprechen unterschiedliche Erstsprachen und die Umgebungssprache ist die eines Elternteils.  

Erstsprache der Mutter: Deutsch           spricht mit dem Kind: Französisch
Erstsprache des Vaters: Französisch       spricht mit dem Kind: Französisch
Sprache der Umgebung: Deutsch

 

Der Unterschied besteht darin, dass beide Eltern in derjenigen Sprache mit dem Kind sprechen, die nicht die der Umgebung ist. Dies bedeutet, dass der Spracherwerb räumlich getrennt ist:

Während das Kind im Elternhaus die eine Sprache hört und lernt, erwirbt es im Umgang mit Spielkameraden, im Kindergarten, im Kontakt zu anderen Erwachsenen etc. die Sprache seiner Umgebung.
 

3. Beide Elternteile haben eine gemeinsame Erstsprache, die nicht die Umgebungssprache ist

Diese Konstellation ist typisch für Eltern, die gemeinsam als Migranten in ein anderes Land gekommen sind. Sie sprechen beide eine gemeinsame Sprache und geben diese an ihr Kind weiter. Die Sprache der Umgebung, also die Landessprache, ist dabei in aller Regel eine andere.
 

Erstsprache der Mutter: Französisch     spricht mit dem Kind: Französisch
Erstsprache des Vaters: Französisch       spricht mit dem Kind: Französisch
Sprache der Umgebung: Deutsch

 

Bei dieser Konstellation gilt als besonders förderlich, wenn die Eltern möglichst ausschließlich in ihrer Erstsprache mit dem Kind sprechen und es darüber hinaus frühzeitig in einen intensiven Kontakt mit der Landessprache kommt.
 

4. Sowohl beide Elternteile als auch die Umgebung sind zweisprachig
 

Dieses Fallbeispiel ist in der Realität recht häufig in zweisprachigen Ländern oder Regionen zu finden. Als Beispiel für eine solche französisch-deutsche Umgebung ist etwa der schweizerische Kanton Freiburg/Fribourg zu nennen, wo beide Sprachen weitgehend gleichberechtigt nebeneinander verwendet werden und die Bevölkerung in aller Regel auch beide Sprachen beherrscht.

Erstsprache der Mutter: Französisch    spricht mit dem Kind: Französisch
                                                      Deutsch                                                                 Deutsch

Erstsprache des Vaters: Französisch      spricht mit dem Kind: Französisch
                                                          Deutsch                                                                    Deutsch

Sprache der UmgebungFranzösisch
                                   Deutsch

Hier steht das Kind von Anfang an in engem Kontakt zu zwei Sprachen, die es bei den Eltern, aber auch überall sonst in seiner Umgebung hört.

Da beide Sprachen in aller Regel auf einem hohen Niveau gesprochen werden, da die meisten Bewohner der Region ebenfalls zweisprachig aufgewachsen sind, lernt das Kind ebenfalls beide Sprachen intensiv und gleichberechtigt.

 

5. Sprachen der Mutter, des Vaters und der Umgebung sind verschieden
 

Bei dieser Konstellation sprechen beide Elternteile in ihren unterschiedlichen (Erst-)Sprachen zu dem Kind, während die Sprache der Umgebung, in der das Kind aufwächst, gleichfalls eine andere (dritte Sprache) ist.
 

Erstsprache der Mutter: Englisch            spricht mit dem Kind: Englisch
Erstsprache des Vaters: Französisch     spricht mit dem Kind: Französisch
Sprache der Umgebung: Deutsch
 

Damit das Kind alle drei Sprachen annähernd gleichermaßen gut lernen kann, ist es hier besonders wichtig, dass beide Elternteile konsequent in ihren jeweiligen Sprachen mit dem Kind reden, ihm viel vorlesen und vorsingen und das Kind zudem bereits früh an die Landessprache des Umfelds herangeführt wird, beispielsweise durch das natürliche Sprachlernen in der Kinderkrippe.
 

Zweisprachige Erziehung bei Eltern mit zwei Muttersprachen

Ein dreieinhalbjähriges Kind wohnt mit seinen Eltern in Deutschland. Seine Mutter ist Norwegerin und sein Vater Deutscher. Beide Elternteile möchten ihm ihre Muttersprache mit auf den Lebensweg geben – er wird zweisprachig erzogen.

Wenn verschiedensprachige Eltern ihren Kindern beide Sprachen beibringen möchten, so empfiehlt es sich, das Kind nach einem überlegten Sprachlernkonzept an die beiden Sprachen heranzuführen, wobei sich bestimmte Prinzipien als sinnvoll gezeigt haben.
 

Eine Person – eine Sprache

Manche Paare entscheiden, dass ein jeder Partner ausschließlich in seiner Muttersprache mit dem Kind spricht.

In unserem Beispiel redet also die Mutter  nur Norwegisch mit dem Kind, während sein Vater nur Deutsch mit ihm spricht. Auch wenn es manchmal schwer fallen mag, ist es dennoch mehr als empfehlenswert, dieses Prinzip gerade in den ersten Lebensjahren durchzuhalten, damit das Kind  lernt, zwischen den beiden Sprachsystemen zu unterscheiden.
 

Besondere Förderung der „schwächeren“ Sprache

Wenn eine der beiden Elternsprachen nur zu Hause gesprochen wird, etwa weil das Angebot an zweisprachigen oder fremdsprachlichen Kindergärten fehlt, ist es ratsam, besonders diejenige Sprache zu fördern, die das Kind in seinem Alltag seltener zu hören bekommt. Die „stärkere“ Sprache, also meist die Landessprache, hört das Kind schließlich ohnehin recht häufig – ob auf dem Spielplatz, beim Einkaufen, wenn Freunde der Eltern zu Besuch kommen, wenn es mit dem Vater
spricht…

Diese Förderung der „schwächeren“ Sprache kann beispielsweise dadurch geschehen, dass das Angebot in dieser Sprache besonders interessant gestaltet wird.

Die Mutter liest ihm daher viele norwegische Kinderbücher vor, singt mit ihm norwegische Lieder, spielt mit ihm Spiele, wie sie nur in Norwegen gespielt werden oder kocht typisch skandinavische Speisen.

Auch bei der Gestaltung von Familienfesten orientiert sich die Familie eher an norwegischen Traditionen. Die Eltern haben zudem vereinbart, dass zu solchen Gelegenheiten stets nur Norwegisch gesprochen wird. So behält auch die Sprache für das Kind immer auch noch einen ganz besonderen Reiz, da er nur mit genügend Sprachkenntnissen solche besonderen Momente ganz verstehen kann. An solchen Feiern muss also auch der Vater Norwegisch sprechen – und trainiert so seine Fremdsprachenkenntnisse gleich mit.

Andere Familien beschließen beispielsweise, am Wochenende die eine Sprache und während der Woche die andere Sprache zu sprechen. Oder beim Frühstück die eine, beim Mittagessen die andere… Oder im Urlaub die eine… – Wie Sie sehen, gibt es viele Möglichkeiten.

Das Lernen dieser „schwächeren“ Sprache kann ebenfalls durch Filme oder Musik in dieser Sprache gefördert werden. So wird die Neugier des Kindes geweckt, immer auch nachzufragen, wenn es einmal ein Wort in der Sprache nicht verstanden hat.

Wichtig ist schließlich: Sprachenlernen muss auch immer Spaß machen und ist gerade im Kindesalter gerade dann erfolgreich, wenn der Spracherwerb spielerisch erfolgt.

 

Richtig auf Anwendungsfehler des Kindes reagieren


Wenn das also mal wieder beide Sprachen etwas durcheinander bringt, zum Beispiel wenn es abends sagt: „Ich will nicht ins seng!“, so erwidert sein Vater: „Wenn du jetzt ins Bett gehst, les ich dir noch etwas vor.“ Das Kind wird also vom Vater ganz sanft korrigiert, ohne dass dieser allzu sehr den Zeigefinger hebt.

Des Weiteren sollten die Eltern stets vermeiden, ihr Kind zu überfordern oder vorzuführen, etwa wenn sie sagen: „Sag mal ….. auf Norwegisch!“. Gerade in jungen Jahren würde das Kind kaum wissen, was die Eltern eigentlich von ihm wollen, spielt doch das abstrakte Konzept „norwegische Sprache“ für ihn zunächst einmal gar keine Rolle.
 

Zweisprachige Erziehung – obwohl beide Eltern Deutsch als Muttersprache sprechen

Viele werdende Eltern beschäftigt die Frage, ob sie ihr Kind auch zweisprachig erziehen können – selbst wenn beide Elternteile Deutsch als ihre Muttersprache sprechen.

Wichtig ist ihnen dabei, dass ihrem Kind bereits in jungen Jahren gute Fremdsprachenkenntnisse mit auf den Weg gegeben werden. Hiermit sollen sich die Kinder später besser in einer globalisierten Gesellschaft zurecht finden, bei der die
Kenntnisse anderer Sprachen von hoher Bedeutung sind – und insbesondere Englisch als Weltsprache nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein.

Verschiedene Studien haben zeigen können, dass Kinder, die früh eine zweite Sprache erlernt haben, in späteren Jahren deutlich leichter weitere Fremdsprachen lernen.

Nun ist das Lernen einer Fremdsprache jedoch auch in jungen Jahren nicht so einfach, als dass es genügen würde ab und zu ein wenig Englisch mit dem Kind zu reden – und schon spricht das Kind diese Sprache.
 

Fragen Sie sich: Wie gut sprechen Sie selbst die Fremdsprache?

Vor allem kommt es dabei darauf an, wie gut Sie selbst diese Sprache beherrschen, wie oft Sie mit Ihrem Kind in der Sprache sprechen und welche weiteren Möglichkeiten sich dem Kind stellen, die Sprache zu hören und auszuprobieren.

Eher kontraproduktiv ist es, wenn Sie die Sprache – in unserem Beispiel Englisch – selbst nur „mehr schlecht als recht“ können. So wird Ihr Kind rasch den Spaß an der neuen Sprache verlieren, weil es merkt, dass Mama oder Papa immer so angestrengt sind, wenn sie mit ihm Englisch reden. Beide müssen schließlich nachdenken, weil ihnen immer mal wieder die richtigen Worte fehlen. So entsteht bei Ihrem Kind der Eindruck, dass Lernen und insbesondere das Lernen von Sprachen etwas Schweres ist, das keinen Spaß macht.

Falsch ist es sicherlich auch, dem Kind die Sprache ähnlich wie später in der Schule systematisch lehren zu wollen – und so auch dem Schulunterricht vorweg zu greifen.

Aber wenn Sie beispielsweise beruflich viel Englisch sprechen und hierdurch auch sicher damit umgehen können, wird es (fast) problemlos sein, wenn Sie Ihr Kind zweisprachig erziehen.
 

Kinder lernen spielerisch

Gerade bei Kleinkindern ist es aber auch beim Erlernen von Sprache wichtig, dass das Lernen spielerisch abläuft.

Schaffen Sie daher (Spiel-)Situationen, in denen Sie mit dem Kind in der fremden Sprache sprechen. Verwenden Sie bei ganz bestimmten Spielen immer die fremdsprachlichen Ausdrücke (etwa: „go“, „goal“, „stop“, „run“ etc.). Oder Sie lesen Ihrem Kind Bilderbücher in der Fremdsprache vor, hören sich zusammen (einfache) Hörspiele an oder suchen für das Kind gezielt Spielkameraden, die diese Fremdsprache sprechen. So wird das Kind Spaß haben am Sprachenlernen und nicht unnötig unter Druck gesetzt.

In den letzten Jahren wurden vielerorts auch zweisprachige Kindergärten und Krippen geschaffen. Vielleicht gibt es ja auch in Ihrer Stadt ein entsprechendes Angebot. Dort erlernt Ihr Kind die fremde Sprache von muttersprachlichen Erzieherinnen und Erziehern sowie spielerisch von anderen Kindern, die diese Sprache als Muttersprache sprechen.

Übrigens ist es in aller Regel gar nicht weiter schlimm, wenn Sie selbst die Fremdsprache mit einem leichten Akzent sprechen. Wenn Ihr Kind außerhalb des Elternhauses in ausreichend Kontakt mit Muttersprachlern kommt, wird es hierbei akzentfrei sprechen lernen. Kleinkinder können sich auf den Klang einer fremden Sprache weit schneller einstimmen als Erwachsene und werden durch Ausprobieren und Imitation zu einer akzentfreien Aussprache gelangen.

Denken Sie an die Kinder aus Einwandererfamilien aus Ihrer Nachbarschaft oder Ihrem Freundeskreis: Selbst wenn deren Eltern mit einem Akzent sprechen, werden Sie von den Kindern in aller Regel lupenreines Deutsch hören, das sie sich von ihren Spielkameraden oder im Kindergarten abgeguckt haben.
 

Keinen unnötigen Druck ausüben

Aber das Wichtigste bleibt natürlich: Zwar sind frühe Fremdsprachenkenntnisse hilfreich für den weiteren Lebensweg Ihres Kindes, dennoch sollten Sie Ihr Kind nicht unnötig unter Druck setzen. Klappt es nicht mit dem Erlernen der neuen Fremdsprache, ist das kein Beinbruch! Geben Sie Ihrem Kind so oder so den Raum, den es zum kreativen Spielen braucht.


Zweisprachige Erziehung: Tipps für deutsche Eltern im Ausland und ausländische Eltern in Deutschland

An dieser Stelle noch einige nützliche einige nützliche Ratschläge, die sich vor allem an all jene unserer Leserinnen und Leser richten, die entweder keine deutschen Muttersprachler sind und in Deutschland leben oder aber die deutsche Muttersprachler sind, jedoch im Ausland leben und ihre Kinder zweisprachig erziehen möchten.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Ihre Kinder beide Sprachen von klein auf einwandfrei lernen können.

Schließlich sollen die Kinder später einmal nicht nur die Sprache des Landes sprechen können, sondern natürlich auch die Sprache ihrer Familie.
 

Konsequenter Gebrauch der Sprachen

Um eine erfolgreiche Zweisprachigkeit bei Ihren Kindern zu erreichen, gilt als eine der wichtigsten Regeln, dass Sie als Eltern möglichst ausschließlich in Ihrer eigenen Muttersprache mit ihnen reden.

Hierdurch soll eine personelle Trennung der Sprachen erzielt werden – die Sprache der Eltern hört und lernt Ihr Kind vor allem in der Familie, während es die Sprache des Landes hauptsächlich im Kindergarten, von anderen Erwachsenen und Kindern usw. lernt.

Achten Sie darauf, dass Sie möglichst konsequent diese sprachliche Trennung durchhalten und so wenig wie möglich in die andere Sprache wechseln, wenn Sie mit Ihrem Kind reden. Je älter Ihr Kind wird, desto schwieriger kann es dabei für Sie werden, dieses Prinzip durchzuhalten.

Irgendwann werden Sie nämlich feststellen, dass Ihr Kind die Landessprache bevorzugen wird – schließlich ist das diejenige Sprache, mit der es mit seinen Freunden, Klassenkameraden, Lehrern usw. kommuniziert.

Voraussichtlich wird Ihr Kind auch mit seinen Geschwistern hauptsächlich in der Landessprache sprechen. Die "Elternsprache" wird bei solch zweisprachigen Kindern dann häufig nur mehr als eine Art Geheimsprache verwendet, mit der sich Geheimnisse vor anderen Kindern oder Erwachsenen verbergen lassen.

Damit Ihre Kinder dennoch die Sprache der Eltern nicht verlernen, sollte diese Sprache im Elternhaus stets präsent sein und Sie persönlich sollten darauf achten, dass Sie möglichst auch dann noch in Ihrer Muttersprache mit den Kindern reden, wenn Ihre Kinder in die andere Sprache wechseln.

Selbst wenn Ihnen also Ihr Kind in der anderen Sprache antwortet, obwohl Sie es in der "Elternsprache" etwas gefragt haben, sollten Sie selbst nicht auch in die andere Sprache wechseln. Zudem können Sie mit Ihren Kindern vereinbaren, dass die Familie beispielsweise immer am Mittagstisch in der "Elternsprache" redet.

Gerade wenn die Sprache, die es von seinen Eltern gelernt hat, zu verblassen droht, ist es wichtig, Ihrem Kind auch weiterführenden Kontakt mit der Sprache zu ermöglichen: Fahren Sie beispielsweise in Ihr Heimatland in Urlaub oder schenken Sie Ihrem Kind Bücher, Hörspiele oder Filme in Ihrer Muttersprache.
 

Sorgen Sie für frühzeitigen, intensiven Kontakt mit beiden Sprachen

Soll Ihr Kind beide Sprachen gleichberechtigt lernen, ist es entscheidend, dass es von klein auf in einen intensiven Kontakt mit beiden Sprachen kommt.

Sinnvoll ist es daher, dass es frühzeitig einen Kindergarten besucht, wo es spielerisch die Landessprache erlernt. Sie können bei der Auswahl des Kindergartens auch darauf achten, ob dieser besondere Sprachförderprogramme anbietet. So wird Ihr Kind die Landessprache bereits auf einem hohen Niveau beherrschen wenn es eingeschult wird.

Daneben können Sie Ihrem Kind beispielsweise Hörspiele in der Landessprache vorspielen und danach seine Fragen beantworten. Gehen Sie mit ihm ins Kino, laden Sie befreundete Paare mit deren Kindern ein … Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Ihr Kind an die Landessprache heranzuführen. Wichtig ist dabei jedoch vor allem, dass Sie diesen frühen, tiefgehenden Kontakt überhaupt ermöglichen.
 

Phasen der Sprachentwicklung bei zweisprachiger Erziehung
 

Kinder, die von Geburt an zweisprachig erzogen werden, durchlaufen typischerweise drei Entwicklungsstufen, in denen  die beiden Sprachen allmählich als zwei eigenständige Systeme begriffen werden.

Zunächst kommt es zu einer Vermischung der beiden Sprachen.

Dann folgt das Unterscheiden zwischen beiden Sprachen.

In der dritten Phase schließlich haben die Kinder gelernt, vollkommen zwischen beiden Sprachen zu unterscheiden und behandeln die Sprachsysteme getrennt voneinander.

 

Phase 1: Vermischung (bis zu einem Alter von drei Jahren)

In den ersten Lebensjahren können die Kinder noch nicht zwischen den beiden Sprachen unterscheiden. Wenn sie reden, verwenden die Kinder – unabhängig von der Sprache ihres Gegenübers – eine gemischte Version beider Sprachen. Beide Sprachen werden noch nicht als unterschiedliche und eigenständige Systeme mit individuellem Wortschatz und einzigartiger Grammatik wahrgenommen. Stattdessen scheinen beide Sprachen miteinander zu einer Einheit verschmolzen zu sein.

Häufig treten während dieser Phase bei den Eltern Zweifel auf, ob die zweisprachige Erziehung wirklich förderlich für ihr Kind ist und ob es letztlich beide Sprachen korrekt und gleichberechtigt nebeneinander erlernen wird.

Durch diese Ängste wiederum begehen Eltern nun oft den Fehler, ständig ihr Kind zu korrigieren, auf das richtige Wort aufmerksam zu machen oder es zu einer einheitlichen Verwendung der beiden Sprachen zu drängen.

Hierdurch kann jedoch das Kind zu stark verunsichert werden und die Freude am Sprachenlernen kann nachhaltig getrübt werden. Zudem wird durch eine ständige Sprachkorrektur die Aufmerksamkeit vom Inhalt des Gesagten abgelenkt, der jedoch für die Kinder weit wichtiger ist als wie sie etwas gesagt haben. Damit führen diese Erziehungsmaßnahmen häufig gerade erst zu jenen Effekten, die die Eltern ursprünglich befürchtet und zu verhindern versucht hatten.

Stattdessen empfiehlt es sich, das Kind in beiden Sprachen gleichermaßen zu fördern und über Sprachvermischungen liebevoll hinwegzusehen.

Als sinnvoll zeigt sich dabei eine konsequente personale Trennung der beiden Sprachen: Wenn ein Elternteil immer in der einen, der andere immer in der anderen Sprache mit dem Kind spricht, lernt es leichter, den Unterschied und die Verschiedenartigkeit beider Sprachen zu erkennen.

Phase 2: Differenzierung (ab etwa zwei Jahren)

Wenn das Kind etwa zwei Jahre alt ist, geht allmählich die Vermischung in die zweite Stufe der Sprachentwicklung über: in die Differenzierung.

Langsam erfassen die Kinder, dass es sich bei den beiden Sprachen um zwei unterschiedliche Kommunikationssysteme handelt. So sind die Kinder nach und nach in der Lage, je nachdem, mit wem sie sprechen, den passenden Begriff für eine Sache in der richtigen Sprache zu verwenden. Hierbei hilft ihnen auch, dass ihr Wortschatz bereits soweit ausgeprägt ist, dass sie auf gleichbedeutende Begriffe aus beiden Sprachen zurückgreifen können.

Schwierigkeiten haben die Kinder während dieser Entwicklungsstufe hingegen noch häufig mit der Grammatik. So werden entweder die grammatischen Phänomene der einen Sprache auch auf die andere übertragen oder es kommt zu grammatischen Mischstrukturen.

Wie auch in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes, ist es auch während dieser Phase ratsam, auf solche Sprachmischungen mit Toleranz zu reagieren. Hier sollte man vielmehr durch gutes Vorbild vorangehen, d.h. die Eltern sollten auf die korrekte Anwendung beider Sprachen vor allem bei sich selbst achten.
 

Phase 3: Trennung (ab etwa drei Jahren)

Ab einem Alter von etwa drei Jahren setzt Schritt für Schritt der letzte Entwicklungsschritt der Zweisprachigkeit ein: die Kinder lernen, zwischen beiden Sprachsystemen zu unterschieden und beide Sprachen voneinander zu trennen und deren Eigenständigkeit zu erkennen.

Die Kinder haben nun langsam ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass sie tatsächlich zweisprachig sind und können je nach Situation die passende Sprache verwenden.
 

Resümee

Die Entwicklungen, die ein Kind bei einer zweisprachigen Erziehung durchlebt, mögen für Eltern manchmal irritierend sein und Ängste wecken, dass sie ihr Kind überfordern und ihm keine der beiden Sprachen richtig beibringen werden.

Wenn Sie jedoch eine zweisprachige Erziehung gut vorbereitet und informiert angehen, ist die Chance sehr hoch, dass Ihr Kind einmal beide Sprachen auf muttersprachlichem Niveau sprechen wird.

Stets im Hinterkopf sollten Sie dabei behalten, dass Sie Ihr Kind nicht unnötig unter Druck setzen sollten: Ihrem Kind sollte vielmehr die Möglichkeit gegeben werden, beide Sprachen spielerisch und kindgerecht für sich zu entdecken.

 

Quelle:  sprachenlernen24

 

 

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